Das Schöne am Angeln ...

... entlang der fließenden und stehenden Angelgewässer ist die ständige Bewegung. Diese stellt für mich einen sinnvollen Ausgleich zur Büroarbeit dar. Über das von mir gleichfalls ausgeübte Feedern, Bologneseangeln und Fliegenfischen schrieb ich schon in den letzten Ausgaben. Als Allroundangler bin ich aber genauso gern während der Raubfisch- einschl. Forellensaison mit der Spinnrute unterwegs. Bewaffnet mit dieser samt Rolle, einem Faltkescher, einer kleinen Umhängetasche mit notwendigem Ersatzködern und Kleinkram und vervollständigt mit Watstiefeln sowie einer Polarisationsbrille geht’s ans Wasser. Dort versuche ich, die Raubfische Hecht, Zander, Barsch, Forelle und Allesfresser Döbel an den Haken zu bekommen. Wenn möglich, meide ich die Laubfallzeit zwischen Mitte Oktober und Ende November. Denn da entpuppen sich die Spinnköder als nervige Blättersammler. 

Wie bei anderen Angelarten ist auch beim Spinnangeln eine gute Vorbereitung des ausgewählten Gerätes zu Hause oftmals fangentscheidend. Das setzt eine gute Gewässerkenntnis und die daraus resultierende Taktik voraus. Dennoch muss man sich am Gewässer auf ständig wechselnde Bedingungen hinsichtlich der Köderwahl einstellen.

Zum Spinnangeln verwende ich folgendes Gerät

Seit der Wende kann ich auf mehrere Ruten zwischen 1,8 m bis 3 m Länge zurückgreifen. Die Wurfgewichte schwanken dabei zwischen 5 bis 70 g. Wichtig sind mir bei der Rutenwahl ein hochwertiger Kohlefaserblank mit SIC- Beringung, Korkgriff und Schraubrollenhalterung bei einem geringen Rutengewicht bis 200 g. Rückblickend stelle ich fest, dass ich, wie viele Angler auch, seit der Wende bestimmte Modererscheinungen beim Spinnangeln mitgemacht habe. So findet sich in meinem Arsenal eine 1,8 m lange Jerkrute für Multirolle. Mit dieser bin ich bisher aber noch nicht so richtig warm geworden, da mir dazu noch das richtige Schlüsselerlebnis fehlt. Und eine Meerforellenrute von 3 m Länge musste in meinem Urlaub 2007 auf Langeland auch mit. Eine Meerforelle hatte sie bisher nie gesehen, aber die dafür auf Meerforellenblinker gehakten Dorsche bezwang sie souverän. Die Forellenruten für kleine Spinner und Wobbler von 2,1 m und 2,4 m Länge haben sich, im Gewässer watend bzw. vom Ufer aus, bisher gut bewährt. Die kräftigere Spinnrute von 2,7 m Länge mit Rückrat und sensibler Spitze und semiparabolischer Aktion ist top auf Zander und Hecht vom Boot, aber genauso vom Ufer aus. Sie hat seit ca. 10 Jahren meine bis dato sog. Zanderrute der 90 er Jahre mit parabolischer Aktion abgelöst. Aktuell fische ich gern mit einer 3,6 m langen Rute. Zu dieser bin ich seit Mai dieses Jahres im Ergebnis einer Bewerbung zu einem Rutentest gekommen. Diese sog. Sbirolinorute mit einem fantastisch leichten Gewicht von nur 190 g und 5 bis 25 g WG nebst SIC-Beringung hat eine semiparabolische Aktion. Die Rute hat sofort mein Anglerherz erobert, da sie sich nicht nur zum Sbirolinofischen eignet.

BildDie passende Multirolle für meine Jerkrute ist eine leichte Baitcastrolle und zum Jerken gut geeignet. Bespult ist diese mit einer geflochtenen und gelb eingefärbten 0,15 er. Die anderen Spinnruten werden einsatzweise mit 2500 er Stationärrollen mit einer Übersetzung von 1.4,5 bis 1:5.2 bestückt. Die Schnurstärken betragen bei aufgespulter Geflechtschnur zwischen 0,10 bis 0,15 mm. Die gelben Farbtöne der Schnüre benötige ich zur besseren Sichtbarkeit des Verlaufes der Schnur bis zum Wasser. Insbesondere nach Distanzwürfen ist so die Erkennung von feinen Bissen, bspw. bei Seitenwind und Schnurbogen, am Schnureintritt ins Wasser möglich. Für’s Spinnangeln auf Forellen habe ich gute Erfahrungen mit einer Heckbremsrolle nebst Kampfbremse, Doppelkurbel und einer Übersetzung von mindestens 1:6 gemacht. Aufgespult ist diese mit einer hochwertigen 0,20 m transparenten Monofilschnur. Insgesamt achte ich darauf, dass das Gewicht der Rolle 300 g möglichst nicht übersteigt. So kann bei einem geringen Gesamtgewicht von Rute und Rolle stundenlang entspannt gefischt werden. Außer zum Spinnangeln auf Forellen, Barsche und Döbel verwende ich bei der Jagd auf Esox Vorfachmaterial aus Hardmono oder mehrfädigem Stahl. Die passenden Vorfächer stelle ich mir mit Klemmhülsen selbst her. Die Verbindung Vorfach zur Hauptschnur besteht zum vollen Erhalt der Tragkraft aus einem Knotenlosverbinder. Die Verbindung zwischen Vorfach und Kunstköder besteht aus einem sog. Duo Lock Karabiner. Bei der Verwendung von rotierenden Spinnern schalte ich stattdessen einen Wirbel mit Sicherheitseinhänger davor. Als Spinnköder kommen verschiedene Shads und Gummifische bis 15 cm Länge mit verschieden schweren Bleiköpfen, Spinner der Größen 1 bis 5, schwimmende oder schwebende Wobbler sowie Jerk‘s bis 15 cm Länge und selbstgebundene Streamer verschiedener Größen zum Einsatz. Auch Restbestände von DDR- Blinkern, wie Heintz-, Augen- und Z-Blinker sind heute, versehen mit neuen Sprengringen und Drillingen, nach wie vor fängig.

Meine Taktik

Wie eingangs schon genannt, ist eine gute Gewässerkenntnis das A und O beim erfolgreichen Spinnangeln. Vor allem gilt es, die potentiellen Raubfischeinstände, wie unterspülte Ufer, Steinansammlungen, Buhnen, überhängende Bäume, Totholz, Wurzeln und tiefere Stellen (Kolke und Gumpen im Fließgewässer) zu entdecken. Dabei ist bei nicht allzu trübem Wasser die Polarisationsbrille eine wertvolle Hilfe. Auch Ein- und Ausläufe von Brücken, Stege, die Staubereiche und Tosbecken von Wehranlagen (Abstände zu vorhandenen Fischwechseln beachten!) und Einmündungen von anderen Gewässern sind sog. „Hotspots“.

Am ausgewählten Gewässerabschnitt gehe ich angelnd stromauf oder stromab bis zu einem anvisierten Endpunkt, um anschließend entweder auf der gleichen oder der anderen Uferseite (am Fluss) zurückzugehen. Auf der Tour werden alle genannten raubfischverdächtigen Stellen angeworfen. Die Stellen, an welchen ich auf der Hintour Nachläufer oder Fehlbisse hatte, versuche ich auf der Rücktour mit einem anderen Spinnköder erneut abzuspinnen. Oft kommt dann noch der ersehnte Biss. Dabei versuche ich, durch entsprechende Führung, den Spinnköder so lange wie möglich in der vermuteten „heißen“ Raubfischzone zu bewegen. In tiefen Auskolkungen in Ufernähe oder tiefen Außenkurven der Flüsse habe ich auch mit der Dropshot- Methode auf Barsche Erfolg gehabt.

Döbel und Salmoniden

Beim Spinnangeln auf Forellen oder Döbel gehe ich meist stromauf mit kleinem Spinner der Größen 1 bis 2. Die Stationärrolle mit einer hohen Übersetzung von 1:6 ist dann ein Muss. Stromab verwende ich entweder auch den Spinner oder einen kleinen Wobbler und neuerdings gern einen Streamer. Bei den genannten Ködern habe ich zuvor entweder einen Einfachhaken mit angedrücktem Widerhaken angebracht oder die Widerhaken am einzigen Drilling angedrückt. Das schont die empfindlichen Forellen, weil diese sich leichter und verletzungsarm vom Haken lösen lassen. In einigen Fließgewässern bin ich auch mit meinen kurzen Forellenruten z. T. stromauf watend unterwegs, um von der Wasserseite die vermuteten Salmonideneinstände anzuwerfen. Wie schon beim Gerät erwähnt, testete ich dieses Jahr sehr viel die Sbirolinorute auch zum Spinnen bzw. zum Streamern. Der Vorteil der 3,6 m langen Rute ist eine bessere horizontale Führung des Spinnköders und Streamers als mit kurzer Rute. Dies bewährt sich gerade bei bewachsenen oder hohen Uferstellen. Und auch ein größerer Abstand des Anglers vom Ufer ist ein weiterer Pluspunkt. Damit ist der Scheucheffekt auf die Forellen gerade bei klarem Wasser geringer. Aber kein Vorteil ohne Nachteil. Bei Baumbestand am Gewässer ist nun mal eine lange Rute hinderlicher beim Werfen, aber auch beim Drill und bei der Landung eines Fisches. Das muss man bei der Angelplatzwahl berücksichtigen. Um den Streamer halbwegs werfen zu können, muss dieser entweder mit einer größeren Tungstenperle (mind. 5 mm) oder einem entsprechendem Bleischrot beschwert sein. Bild Der Streamer vollführt beim langsamen Einkurbeln mit leichten Rutenbewegungen ein entsprechendes verführerisches Eigenleben (dank Marabouschwänzchen) und hat sich oft als sehr fängig erwiesen. Gerade bei besseren Forellen, welche wahrscheinlich bereits alle handelsüblichen Spinnköder kennen. Auch Barsche und Döbel sind darauf sehr beißfreudig.

Dass man mit dieser Sbirolinorute auch mit den gleichnamigen Sbirolinos gut werfen und fischen kann, habe ich an einer Kiesgrube und am Fließgewässer dieses Jahr ebenfalls mehrfach ausprobiert. Als Köder am langsam sinkenden 15 g Sbirolino verwendete ich sowohl kleine Twister, als auch kleine Wobbler und Streamer. Dabei konnte ich neben ein paar schönen Regenbognern auch einige Barsche und Döbel überlisten.

Vor Ende der Raubfischsaison gehe ich mit der kräftigen Spinnrute auf Esox. Mit großen „selbstgebauten“ Streamern am Stahlvorfach habe ich beim langsamen Einkurbeln schon manchen „blinkermüden“ Hecht gehakt 

Hier ein paar meiner Hechtstreamer

Bild: Arndt Zimmermann

Ja, das sind meine kurzgefassten Erfahrungen zum Thema Spinnangeln. 
Man sieht sich – Petri Heil!