Vom Köderteig und Kartoffeln

Eine unübersehbare Anzahl von Friedfisch- und Raubfischködern überschwemmen heute den Markt für Angelartikel. Von der Vielfalt des Angelfutters ganz zu schweigen. Viele Angler kommen hinsichtlich der richtigen Köder- und Futterwahl schnell an ihre Grenzen. Das betrifft vor allem die Jung- und Wenigangler.

Seit der Wende haben werbewirksam moderne Angelköder die zur DDR-Zeit   gängigen Köder fast zum Vergessen gebracht. Die ältere Generation der Angler der „neuen Bundesländer“ kennt aber noch die Vorbereitung und Verwendung der damals eingesetzten Friedfisch- und Raubfischköder. Diese vergessenen Köder haben aber nichts von ihrer Fängigkeit eingebüßt. Dies kann ich mit guten Fangergebnissen bei einigen Angeltrips in Vorbereitung auf diesen Artikel belegen.

Blättere ich meine Fangstatistiken seit Beginn meiner Anglerlaufbahn 1964 bis zur Wende durch, lese ich immer wieder die Köder Teig und Kartoffel. Diese möchte ich hier vorstellen. Dies mache ich auch unter dem Gesichtspunkt, um diese Köder wieder mehr in den Blickpunkt der Angler zu rücken. Sie sind zudem noch preislich für viele Angler mit schmalem Geldbeutel interessant. Und kombiniert mit den heute verwendeten modernen Anköderungsmethoden sind sie eine echte Alternative.

Teig

Teig war mein am häufigsten eingesetzter Köder auf Friedfische. Vorrangig habe ich mit Zwiebackteig geangelt. Eine Packung Neukircher Zwieback für 20 Pfennig war erschwinglich und immer zu haben. Er war trocken lange haltbar, roch gut, hatte eine gelblichbraune Farbe und schmeckte nicht nur mir. Dieser Teig fand bei den Friedfischen und insbesondere bei den Karpfen fast immer Abnehmer. Und er ließ sich schnell herstellen. Packung auf und entsprechend viele Zwieback herausgenommen, die dunkle Kruste gern selbst abgeknabbert und die hellen Zwiebackstücke am Angelplatz  ca. 15  Sekunden ins Wasser getaucht. Anschließend zwischen den Händen das überschüssige Wasser herausgedrückt und die Masse vielleicht 5 Minuten geknetet. Fertig ist ein wenig klebender, aber gut riechender, farblich ansprechender und nicht zu fester Teig. 
Röstbisquit habe ich ähnlich zu Teig zubereitet, nur gab es den nicht immer zu kaufen und er war zudem etwas teurer.
Sollte der Teig für weitere Würfe ein wenig fester werden, wurden den Zwieback Anteile von dem Inneren eines Weißbrotes, einer Semmel oder eines Brotes  beigefügt. Ich habe auch mit Kuchenteig experimentiert oder nach einem Rezept die viel gerühmte Polenta (Maisteig) hergestellt. 
Hin und wieder habe ich auch weichgekochte Kartoffeln zerkleinert und in den Teig geknetet. Und sollte der Teig mal zu klebrig geworden sein, wurde dieser mit ein paar Tropfen Öl geschmeidig gemacht. Mit all diesen Teigködern habe ich gefangen.
Aber trotz der vielen probierten Teigvariationen habe ich immer wieder gern auf Zwiebackteig zurückgegriffen.

Eine Teigflocke konnte man sehr leicht aus dem Inneren eines frischen Weißbrotes oder Milchsemmel herstellen. Super war auch sog. frischer Einback. Es wurde jeweils eine weiche Flocke herausgelöst, der Haken damit umschlossen und der Teig am Hakenschaft angedrückt. Vorzugsweise wurden Goldhaken verwendet. Je nach dem Maß des Andrückens der Teigflocke am schwamm diese oder ging mehr oder weniger schnell unter. Im Wasser quoll sie noch ein wenig auf. Alle Friedfische standen darauf.

Aus dicken Brotscheiben vom Mischbrot oder dunklem Roggenbrot habe ich dank seiner zäheren Konstistenz ca. 2 cm große Würfel geschnitten. Diese wurden zum Schwimmbrotangeln im Sommer auf die nicht nur sonnenhungrigen Karpfen und Döbel eingesetzt. 

Trockene Brotscheiben oder harte Semmeln wurden nicht weggeworfen, sondern gesammelt und dann zum Angeln mitgenommen. Am Angelplatz kamen sie in den Kescher und ins Wasser zum Aufquellen. Meist habe ich diese eingeweichte Masse nur wenig ausgedrückt und gleich zum Anfüttern verwendet. 

Kartoffeln

Mit Kartoffeln habe ich auf große Plötzen und vor allem auf Karpfen geangelt. Dazu wurden vornehmlich festkochende Sorten verwendet, da mehlige Kartoffeln beim Anhaken zu schnell zerplatzten. Etwa gleichgroße Kartoffeln wurden als Pellkartoffeln gekocht, bis sie fast gar waren (Nadelprobe). Wenn verfügbar, habe ich aber lieber die kleinen kugeligen sog. Futterkartoffeln mit Pelle gekocht. Sie ähnelten ja in Größe und Form den heutigen Boilies. Und die Karpfen mochten diese auch. Die größeren Kartoffeln wurden vorher in kleine Würfel, die kleineren in Scheiben geschnitten und dann angeködert. Zum Anfüttern habe ich einige gekochte Kartoffeln einfach in der Hand zerdrückt und an die Angelstelle geworfen.

 

Kleiner Exkurs zur Anköderung

BildEntsprechend den damals publizierten Praktiken der Altmeister des Angelns, Wolfgang Zeiske und Max Piper etc. war ein Herausstehen des Hakens bei fast allen Friedfischködern tabu. Als Begründung dafür wurde darauf verwiesen, dass die empfindlichen Fischmäuler an der freiliegenden Hakenspitze ja Anstoß nehmen können und in der Folge den Köder wieder loslassen. So musste der Haken bspw. im Teig vollständig versteckt werden. Dank der nicht zu festen Konsistenz des Teiges drang der Haken beim Anhieb ins Fischmaul ein. War der Teig jedoch zu fest geworden, waren Fehlbisse programmiert. Der Haken konnte beim Anhieb nicht durch den Teig dringen. Andererseits konnte man weiter werfen, ohne dass sich der Köder schon beim Auswerfen selbständig gemacht hat.

Bis mal ein Angler auf den Dreh kam, dieses Dogma zu verletzen und die Hakenspitze herausstehen zu lassen. Die daraus resultierenden geringeren Fehlbissraten haben sich schnell rumgesprochen und letztendlich bei der Anköderung der Friedfischköder durchgesetzt. Dazulernend nach einer Publikation habe ich ab Anfang der 80er Jahre die Kartoffelstücke mit Zwirn paketiert und im Fadenkreuz den Haken   eingehängt. Vielleicht war dies eine Vorstufe der Haaranköderung.

Moderne Taktiken mit Teig und Kartoffel

Teig ist als Köder bei allen Methoden der modernen Friedfischangelei, wie Posenangeln mit Posen-, Bolognese-, Lang-Lang- oder Kopfruten, einsetzbar. Die Hakenspitze muss aber immer teigfrei sein.

Durch spezielle Anköderungsformen, wie das Einkneten in eine am Hakenschaft befindliche Teigspirale oder eine Teigspirale am Haar, können auch weitere Würfe gemacht werden, ohne dass der Teig bereits beim Auswerfen abfällt. Letztere Anköderung von Teig am Haar habe ich bspw. beim Feederangeln oder Methodfeedern verwendet. 

Im Frühjahr ab ca. 15 ° Wassertemperatur habe ich erfolgreich im flachen Wasser eines Stausees mit Graskarpfenbestand eine auftreibende Weißbrotflocke an der Posenrute mit Wagglerpose eingesetzt. Die Tiefe wurde so eingestellt, dass ca. 20 – 30 cm Vorfach auf dem Grund lagen und mit einem Bleischrot fixiert wurden. Ca. 5 bis 10 cm vor dem Haken hielt ein weiteres Bleischrot die auftreibende Flocke über ca. 5 bis 10 cm über Grund. Oft haben neben den Graskarpfen auch Karpfen und große Rotfedern Gefallen an der Flocke gefunden.

Sobald in den Sommermonaten die Karpfen, Graskarpfen und andere Friedfische unter der Wasseroberfläche ihre Bahn ziehen, ist die hohe Zeit zum Schwimmbrotangeln gekommen. Dafür eignet sich an einer Posenrute von 3,6 bis 3,9 m Länge eine Sbirolinomontage. Diese besteht aus einem schwimmenden Sbirolino (10 g Wurfgewicht) und einem ca. 1,5 m langen, 0,25 oder 0,28 mm starken Fluorocarbonvorfach und Rundhaken etwa Größe 6. Mit einer Ködernadel wird das Vorfach samt Haken mittig durch ein Brotstück mit ca. 2 cm Kantenlänge   gezogen und der Haken in der Brotrinde fixiert. So können kleinere Fische an der Angelstelle das Schwimmbrot nicht so schnell von Haken ziehen . Auf gleichem Foto zu sehen habe ich auf einen kleinen Köderspieß eine farbige Styroporkugel kombiniert mit einem Schwimmpellet 8 mm verwendet und damit ebenfalls Karpfen zum Anbiss überzeugen können. Letzteren Schwimmödern können Kleinfische nichts anhaben.

Aus Kartoffeln stelle ich Pellets her. Die gekochte Kartoffel wird in dicke Scheiben geschnitten. Beim Ausstechen von pelletgroßen Stücken aus der Kartoffel leisten mir alte Messinghülsen von 8 und 10 mm Durchmesser noch gute Dienste. Das pelletgroße Stück wird mit einer Boilienadel oder Ködernadel durchstochen und auf den ans Haar geknoteten kleinen Spieß gesteckt . So sind sie ideal zum Methodfeedern geeignet. Eingebettet im gefüllten Flatfeeder kann man damit weit und ohne Köderverlust werfen. Gleiche pelletgroße Stücke habe ich auch mit einer Ködernadel auf das klassische Haar, manchmal kombiniert mit einem Maiskorn, gezogen und mit einem normalen Boiliestopper fixiert. Dies habe ich vor allem unlängst mehrfach erfolgreich an der Posenmontage mit Wagglerpose angewendet.

Zur Anköderung der Kartoffelpellets am Pelletband muss die richtige Konstistenz der Pellets stimmen, damit das gummiartige Pelletband diese nicht beim Auswerfen in der Mitte zerteilt.

Die Fängigkeit bzw. die Attraktivität dieser beschriebenen Köder kann noch nach Belieben mit modernen Dips, Süßstoffen und Lebensmittelfarben aufgepeppt werden.

Abschließend bleibt nur noch - viel Erfolg beim Angeln mit Teig und Kartoffeln und Petri Heil - zu wünschen!

Bild: Arndt Zimmermann