Für mich wie auch für das Gros der Angler hat das Angeln mit der Pose immer wieder etwas Faszinierendes. Ich werfe die beköderte Posenmontage an die angefütterte Angelstelle und beobachte fortan jede Reaktion der Pose. Wenn diese sich nach einer gewissen Geduldsprobe wie von Geisterhand bewegt und dann zügig wegtaucht, kommt mir das Anglerblut in Wallung. Es fordert mich zur Reaktion in Form eines Anhiebes auf. Und häufige Reaktionen dieser Art liebe ich, denn sie machen das Posenangeln so reizvoll. Bild

Wenn ich nicht gerade mit der Bologneserute oder der unberingten Telestippe in Rutenreichweite mit sog. Stickposen angle, kommt für mich beim Posenangeln im Stillwasser nur der Einsatz einer Wagglerpose in Betracht. Ja, ja, ich weiß, die Montagen mit Wagglern verheddern sich dauernd beim Auswerfen. Diese Meinung habe ich früher auch vertreten und somit nicht gern mit Wagglern geangelt.

Dank den Ratschlägen meines friedfischspezialisierten Bruders habe ich das Angeln mit Wagglern schätzen gelernt. Dabei muss ich aber einige Grundprinzipien des Aufbaues der Wagglermontage und des Auswerfens beachten.

Waggler mit ihren tief gelegten Posenkörpern und den langen Antennen sind ideal in Stillgewässern, da sie vor allem auch bei Wellengang den Köder in der Tiefe relativ ruhig halten. Sie werden nur über die untere Schnurlauföse mit der Hauptschnur verbunden. Somit kann die Schnur unter Wasser bis zur Pose geführt werden. Ich vermeide so einen wind- und strömungsanfälligen Schnurbogen, welcher die Montage von der Angelstelle fortzieht oder einen effektiven Anhieb behindert. Anders bei einer Stickpose, welche oben und unten mit der Hauptschnur verbunden wird. Hier ist die Schnur schlechter unter Wasser bis zur Pose zu bringen, mit den Nachteilen eines Schnurbogens.

Hier meine einsatzbereiten, wenig vorbebleiten Wagglerposen:

Bild: Arndt Zimmermann
Zum Gerät

Zum Wagglerangeln verwende ich nicht zu harte beringte Posenruten (sog. Floatruten) und Matchruten von 3,6 m bis 4,5 m Länge mit Wurfgewichten von 5 bis 20 g und 2500 er Stationärrollen, gern mit Kampfbremse. Die Schnurstärken der verwendeten monofilen Sinkschnüre bewegen sich je nach Jahreszeit und den favorisierten Fischarten in den Sommermonaten bis 0,26 mm (Karpfen) und verringern sich in der kälteren Jahreszeit bis 0,16 mm. Die Vorfächer mit etwa 25 bis 40 cm Länge wähle ich immer eine Schnurstärke schwächer, um bei einem Hänger als Sollbruchstelle nicht die gesamte Montage einzubüßen. Die Hakengrößen schwanken entsprechend den zu verwendenden Ködern und den Zielfischen zwischen 6 bis 14.

Als Köder kommen alle üblichen Friedfischköder von Made, Caster über Wurm, Teig, Kartoffel sowie Mais und die modernen Pellets, Dumbells, Miniboilies etc. in Frage. Gern verwende ich auch Kombinationen aus Made mit Dosenmais oder Made mit Wurm oder, oder…

Zur Posenmontage

Die Posenmontage besteht im Wesentlichen aus Hauptschnur, Waggler, einem Stück Zwischenschnur und dem Vorfach.

Auf die Hauptschnur werden mindestens zwei Schnurstopper mit dem Stopperknoten angebunden, angefeuchtet, zugezogen und anschließend vorsichtig (Reibung!) zusammengeschoben. Dafür verwende ich farbige monofile Schnurreste von 0,18 mm Stärke. Zwei Schnurstopper sind rutschfester und verschieben sich nicht so leicht.

Die Enden der Schnurstopper müssen mind. 5 cm lang sein. Bei zu kurz abgeschnittenen Schnurenden sind diese steif wie Draht und verhaken sich gern beim Werfen in den Ringen . Die Folge beim Auswerfen sind in Rutenreichweite ins Wasser klatschende Montagen mit großem Scheucheffekt und ggf. Materialschaden. Die flexiblen längeren Enden der Schnurstopper kann man bei Bedarf immer wieder festziehen. Auch legen sie sich beim Wurf besser an die Hauptschnur an und gleiten fast problemlos durch die Rutenringe und beeinflussen somit die Wurfweite kaum.

Anschließend wird eine kleine farbige Kunststoffperle (Stickperle - Bastlerbedarf) auf die Hauptschnur gefädelt. An die untere Öse des Wagglers wird ein Karabinerwirbel kleinerer Größe (16, 18) eingehangen. Die Wirbelöse wird ebenfalls auf die Hauptschnur gefädelt. So kann ich über den Karabiner schnell den Waggler auswechseln, ohne jedes Mal die Montage neu zu formieren . Schließlich schiebe ich noch einen Gummistopper nach und binde einen kleinen Tönnchenwirbel (=< Gr. 16) ans Hauptschnurende. Der Gummistopper verhindert das Herunterrutschen des Wagglers bis zum Tönnchenwirbel. Ein Stück Zwischenschnur gleicher Stärke, jedoch mind. 0,20 mm bei dünnerer Hauptschnur, von 50 bis 120 cm Länge (je zu beangelnder Wassertiefe) wird an das andere Ende des Tönnchenwirbels angebunden. Auf ihr wird die Bebleiung angebracht. Als Verbindung zum Vorfach wird ans untere Zwischenschnurende entweder ein kleiner Schlaufenknoten oder ein kleiner Tönnchenwirbel angebracht. Nun muss ich nur noch die Wagglermontage ausbleien und anschließend das Vorfach anbinden. Ich habe mir angewöhnt, dies bereits zu Hause zu erledigen und so meine Angelruten komplett vorzubereiten. Zur Bebleiung verwende ich weiches Bleischrot und Bleiolivetten verschiedener Größen. Das Bleischrot wird nur mit einer speziellen Bleizange an die Zwischenschnur befestigt, um Schnurquetschungen zu vermeiden. Mein bewährtes Behältnis zum Ausbleien der Posen hatte ich bereits in der letzten Ausgabe beschrieben.

Die fertig montierten Angeln werden in das Rutenfutteral verstaut. Wegen der Bruchgefahr beim Transport werden die Waggler in einem gesonderten Posenbehälter mitgeführt.

Am Wasser brauche ich nach dem Einrichten der Angelstelle nur noch die montierte Rute zusamenzustecken und den Waggler in den Karabinerwirbel einzuhängen. Dann wird die Angelstelle entsprechend meiner ebenfalls bereits vorgestellten Lotmethoden ausgelotet, die Entfernung zur Angelstelle auf der Schnur markiert und angefüttert. Anschließend wird die Montage eingeholt, die Bebleiung gerichtet und auf festen Sitz geprüft, der Haken beködert und ausgeworfen.

Ergibt sich am Zielgewässer beim Ausloten eine Wassertiefe bis 2/3 der Rutenlänge und kann ich hindernisfrei auswerfen, wird mit den genannten Schnurstoppern oder alternativ mit den vorhandenen Bleischroten der Waggler auf die gelotete Tiefe fest fixiert.

Die restliche Zwischenschnurbebleiung wird vorsichtig als Punktbebleiung zurechtgerückt und festgeklemmt. Dabei sollte immer ein kleines Bissschrot unmittelbar an die Verbindung zum Vorfach gebracht werden.

Ist die gelotete Wassertiefe größer als 2/3 der Rutenlänge oder habe ich an der Angelstelle Probleme beim Auswerfen durch die vorhandene Vegetation, verwende ich den Waggler als Gleitpose.

Sehr wichtig in beiden Fällen ist, dass der Abstand zwischen Karabinerwirbel und der Bebleiung größer sein muss, als der Waggler lang ist. Zusätzlich muss das Vorfach kürzer sein als der Abstand vom Bissschrot zur Hauptbebleiung, um das Verheddern der Montage beim Auswerfen und beim Absinken im Wasser zu minimieren

Noch eins, der Waggler soll eine Tragkraft von mind. 1 g je m zu beangelnder Wassertiefe haben, um nach dem Auswerfen der Gleitmontage das Blei samt Köder schnell auf Tiefe zu bringen. Bei 4 m geloteter Wassertiefe müssen es schon mind. 4 g sein. Die kleinen Weißfische vernaschen sonst beim langsamen Absinken den Köder bereits im Mittelwasser. Den Köder schnell zum Gewässergrund gebracht bedeutet also oft auch bessere Fische.

Zum Auswerfen

Ich empfehle beim Auswerfen der Wagglermontage mit einem Überkopfwurf einen geschmeidigen Wurf, ähnlich beim Werfen mit Zitterspitzen- oder Schwingspitzruten. Eine ordentliche Wurfweite kann ich durch die Verwendung schwererer Waggler und einer randvollen Schnurfüllung auf der Rolle bzw. einer größeren Rolle sehr leicht erreichen. Zudem sollte der Wurf kurz vor dem Auftreffen der Montage auf dem Wasser mit dem Finger auf der Schnurspule vorsichtig abgebremst werden. Dies bewirkt, dass sich die Montage streckt und somit verhedderungsarm einfällt. Diese Art des Abbremsens bedarf aber einiger Übung.

Es hat sich bewährt, die angefütterte Angelstelle richtungsgenau um ca. 5 m zu überwerfen, die Rutenspitze anschließend ins Wasser zu stecken und mit wenigen Kurbelumdrehungen bis zur markierten Schnurstelle Schnur einzuziehen und schließlich die Rutenspitze zügig aus dem Wasser zu heben. Dabei wird die Schnur unter Wasser gedrückt und kann keinen lästigen Schnurbogen mehr ziehen. Unterstützend sollte man zu Hause oder spätestens am Wasser vorher die Schnur entfetten. Ein kleines abgefülltes Fläschchen mit Spülmittellösung nebst Schwämmchen ist da sehr nützlich. Ich achte am Wasser aber darauf, dass das Spülmittel nicht auf meine Finger gelangt (ggf. Einweghandschuhe), mit denen ich den Köder oder das Futter anfasse. Fische haben einen guten Geruchssinn!

Über den Einsatz vom schweren Wagglern jenseits der 10 g Tragkraft für Distanzen von mehr als 30 m und Wassertiefen > 5 m kann ich mangels eigener Erfahrung gegenwärtig nicht berichten. Dazu müsste ich die für jedermann auch lesbare vorhandene Literatur abkupfern, was ich nicht mag.

So, nun genug der grauen Theorie, jetzt schnell ans Wasser, um zu angeln – Petri Heil!

Bild: Arndt Zimmermann